Koreanischer Birnensaft, intravenöse Infusionen, Vitaminpflaster: Sind diese beliebten Katermittel wirklich wirksam?
Wir alle kennen das: pochende Kopfschmerzen, anhaltende Übelkeit und eine Erschöpfung, gegen die auch keine Tasse Kaffee hilft. Ein Kater erinnert uns daran, dass der gestrige Rausch seinen Preis hat.
Ein Kater ist heute nicht mehr nur eine Beschwerde über ein fettiges Frühstück; er hat sich zu einem ganz neuen Geschäft entwickelt. Der globale Markt für Katermittel wird derzeit auf 2,29 Milliarden US-Dollar (3,53 Milliarden AUD) geschätzt und soll bis 2032 auf 6,71 Milliarden US-Dollar (10,33 Milliarden AUD) anwachsen.
Diese Produkte – von Kapseln und Getränken bis hin zu Pflastern – sind beliebt. Fast 70 % der Trinker geben an, ein wirksames Mittel gegen Kater kaufen zu wollen. Allerdings gibt es derzeit keine wissenschaftlichen Belege für deren Wirksamkeit.
Trotz jahrelanger Forschung ist die genaue Ursache eines Katers weiterhin unklar. Es ist jedoch bekannt, dass mehrere biologische Prozesse an der Entstehung dieses Gefühls beteiligt sind.
Beim Alkoholkonsum interpretiert der Körper dies als Bedrohung. Er spaltet den Alkohol in Acetaldehyd auf, ein giftiges Nebenprodukt, das eine Immunreaktion auslöst und entzündungsfördernde Botenstoffe, sogenannte Zytokine, freisetzt.
Diese chemischen Substanzen verwendet der Körper zur Bekämpfung von Infektionen, weshalb sich ein Kater ähnlich wie Übelkeit anfühlt.
Alkohol hemmt die Produktion von Angiotensin, einem Hormon, das dem Körper hilft, Wasser zu speichern. Ohne Angiotensin muss man häufiger urinieren und verliert dadurch mehr Wasser, als man zu sich nimmt. Dies führt zu Durst, Mundtrockenheit und den typischen Katerkopfschmerzen.
Alkohol mag zwar das Einschlafen beschleunigen, stört aber den natürlichen Schlafrhythmus. Zwar fällt es Ihnen möglicherweise leichter, in den Tiefschlaf zu fallen, doch Ihre REM- und Leichtschlafphasen werden verkürzt.
Wenn die Wirkung des Alkohols nachlässt, normalisiert sich der Gehirnzustand wieder, was zu vermehrtem REM-Schlaf und häufigerem Aufwachen führt und dazu, dass man sich am nächsten Tag träge und kognitiv beeinträchtigt fühlt.
Alkohol stört die Funktion verschiedener Botenstoffe im Gehirn. Er fördert die Freisetzung von Gamma-Aminobuttersäure (GABA), einem Neurotransmitter mit beruhigender Wirkung, und hemmt gleichzeitig die Freisetzung von Glutamat, einem Neurotransmitter, der normalerweise für Wachheit und Aufmerksamkeit sorgt. Dies ist mit ein Grund dafür, dass Alkoholkonsum ein Gefühl der Entspannung hervorrufen kann. Versucht der Körper jedoch, das Gleichgewicht dieser Botenstoffe wiederherzustellen, können Angstzustände oder Reizbarkeit auftreten.
Moderne Katermittel gehen längst über den simplen Ansatz „Gift mit Gift bekämpfen“ hinaus. Mittlerweile gibt es leberschützende Kapseln, elektrolytreiche Getränke, Vitaminpflaster und sublinguale Katermittel – alle darauf ausgelegt, die Genesung zu beschleunigen.
Eine Analyse der im Jahr 2025 auf dem australischen Markt erhältlichen Katermittel ergab, dass B-Vitamine und Natrium die am häufigsten verwendeten Inhaltsstoffe waren und in fast der Hälfte aller untersuchten Produkte enthalten waren.
B-Vitamine werden häufig Katermitteln zugesetzt, da Alkohol den Flüssigkeitsverlust erhöht; auch Natrium soll helfen, den Flüssigkeitshaushalt wiederherzustellen. Es gibt jedoch kaum überzeugende Beweise dafür, dass B-Vitamine und Natrium die Katersymptome bei gesunden Menschen signifikant verbessern.
Natürliche Inhaltsstoffe wie Ingwer und Dihydromyricetin (eine aus japanischen Rosinenbäumen gewonnene Verbindung) sind ebenfalls beliebt und in mehr als einem Viertel bzw. einem Drittel der Produkte enthalten.
Ingwer wird häufig zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen eingesetzt, und es gibt Hinweise auf seine Wirksamkeit bei Magen-Darm-Beschwerden. Gegen Kater ist er jedoch wirkungslos.
Dihydromyricetin wurde einst als revolutionäres Katermittel angepriesen, da es angeblich die Leber beim effizienteren Abbau von Alkohol unterstützen sollte. Kontrollierte Studien zeigten jedoch, dass es bei der Linderung von Katersymptomen nicht wirksamer war als ein Placebo.
Die Wirkungen anderer häufig verwendeter Inhaltsstoffe erwiesen sich ebenfalls als unbefriedigend. Die Aminosäure L-Cystein zeigte in einer Studie einen gewissen Nutzen, die Stichprobengröße war jedoch zu klein, um endgültige Schlussfolgerungen zu ziehen.
Ein weiteres Produkt, das oft als Katermittel angepriesen wird, ist koreanischer Birnensaft. Ihn vor dem Alkoholkonsum zu trinken, kann dem Körper helfen, Alkohol effizienter abzubauen. Eine Studie aus dem Jahr 2013 ergab, dass er den Blutalkoholspiegel leicht senken und die Konzentration verbessern kann. Diese Effekte sind jedoch minimal, und die Wirksamkeit lässt nach, sobald ein Kater einsetzt.
Ein weiteres natürliches Heilmittel, das sich als teilweise wirksam erwiesen hat, ist roter Ginseng. Eine Studie ergab, dass Personen, die nach Alkoholkonsum roten Ginseng-Extrakt zu sich nahmen, im Vergleich zu Personen, die nur Wasser tranken, weniger Durst, weniger Müdigkeit, weniger Magenschmerzen und sogar ein verbessertes Gedächtnis verspürten.
Studien an Mäusen haben außerdem gezeigt, dass Ginseng lang anhaltende positive Effekte hat, Symptome lindert und Biomarker für Stress reduziert, die mit Alkoholkonsum in Zusammenhang stehen.
Nicht alle Medikamente sind als Tabletten oder pflanzliche Präparate erhältlich. Infusionen werden oft als Mittel zur Steigerung von Energie und Immunsystem sowie zur Verbesserung des Hautbildes beworben, und Kliniken und sogenannte „Infusionsbars“ bieten diese Behandlung mittlerweile auch gegen Kater an. Doch außer bei starker Dehydrierung gibt es kaum Belege dafür, dass diese teuren Infusionstherapien wirksamer sind als Wasser, Essen und Ruhe.
Vitaminpflaster sind auch deshalb beliebt, weil sie Nährstoffe angeblich über die Haut abgeben und so den Verdauungstrakt umgehen. Allerdings wird diese Behauptung wissenschaftlich nicht immer bestätigt. Die meisten Vitamine werden besser über die Nahrung oder orale Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen.
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Da der Markt für Katermittel weiter wächst, hat die wissenschaftliche Forschung nicht Schritt gehalten. Folgende wissenschaftlich erprobte Methoden könnten sich jedoch als hilfreich erweisen:
Wenn Sie Ihren Alkoholkonsum kontrollieren und ihn auf maximal ein Standardgetränk pro Stunde beschränken, geben Sie Ihrer Leber Zeit, sich anzupassen, wodurch die Wahrscheinlichkeit verringert wird, sich am nächsten Tag betrunken oder verkatert zu fühlen.
Nach einer Party ist ausreichend Schlaf wichtig, da sich der Körper vor allem in Ruhe erholt. Schon ein kurzes Nickerchen am nächsten Tag kann Ihr Wohlbefinden deutlich verbessern.
Es mag jetzt schwierig sein, Mäßigung zu wahren, aber es ist wahrscheinlich der beste Weg, um sich am nächsten Tag nicht krank zu fühlen.
Veröffentlichungsdatum: 15. Dezember 2025



